Donnerstag, 3. März 2011

Libyen - Eine Stimme aus dem Volk.

Ich habe heute morgen als ich meine Zeitung geholt habe einen Nachbarn von mir getroffen. Ich kenne ihn seit Oktober, und wir haben uns von Anfang an richtig gut verstanden. Er war immer eine ausgeglichene Person, lässt alles ruhiger angehn und man hat immer das Gefühl, dass es nichts gibt was ihn aus der Ruhe bringen kann. Doch heute morgen war es anders. Ich treffe auf einen aufgewühlten, aufgeregten Menschen, mit tiefen Ringen unter den Augen.

Dieser Mann ist Libyer, kommt ursprünglich aus Benghazi, wo seine ganze Familie und seine Freunde zur Zeit auch noch immer sind. Nur durch ein Wunder ist er gerade in Deutschland und hat keine Reise in die Heimat geplant. Doch trotzdem verfolgt er die Aufstände natürlich mit. Verständnislosigkeit bestimmt seine Stimmung.
Verständnislosigkeit auf der einen Seite, weil er enttäuscht ist von dem Handeln supranationaler Organisationen wie der UNO, er hat das Gefühl, dass sie schon viel zu lange zuschauen, wie Tausende Menschen, darunter auch Freunde von ihm, wahrlos getötet werden und eine Entscheidung gekonnt hinaus zögern. Denn was bedeutet schon ein wenig Geld von einem Mann einfrieren, der mindestens noch 3 mal so viel auf anderen Konten hat?
Verständnislosigkeit auf der anderen Seite für Gaddafi, und wie es sein kann, dass ein Mensch den Bezug zur Realität dermaßen verliert. 

Er erzählt mir außerdem von zahlreichen früheren Revolten, bei denen auch Hunderte einfach umgebracht wurden, bei denen aber alle anderen Länder weggeguckt haben. Vor 4 Jahren konnten die Menschen in Libyen sich noch nicht so mitteilen, weil es kaum Internet gab, und wenn dann war es zu schlecht und zu langsam um die schrecklichen Bilder bei Facebook oder Youtube hochzuladen, so wie das im Moment der Fall ist, berichtet er weiter.
Schon vor ein paar Wochen als ich von den Aufständen gehört habe, habe ich sofort an seine Familie gedacht und gehofft, dass ihr nichts passiert. Er beruhigt mich, sagt mir aber gleichzeitig, dass seine Familie nicht aus Libyen flüchten wird, sie wollen nicht kampflos aufgeben und ihr Hab und Gut einfach so Gaddafi überlassen.  Dieser Mensch ist verrückt, benutzt das Militär in Zivilkleidung bei seinen Reden, damit es so aussieht als genieße er größten Zuspruch von der Bevölkerung.

Ich denke, dass es im Moment jedem Libyer hier in Deutschland und überall auf der Welt so geht. Dass ihre Gemüter aufgewühlt sind und sie hoffen dass die UNO, die EU usw endlich eine Entscheidung treffen, damit das Blutbad endlich beendet wird bevor noch mehr Menschen im Kampf für die Freiheit ihr Leben verlieren. 

In diesem Fall habe ich meinem Nachbarn alles Glück der Welt gewünscht, damit seinen Angehörigen nichts passiert, und dies tue ich für alle, die gerade um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familie bangen müssen.

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