Montag, 7. Februar 2011

Kolonialmacht - und dann?

Ich habe heute ein Zitat von Heinrich Böll gelesen, was irgendwie hängen geblieben ist:

"Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet"

Heinrich Böll, Auteur von "Ansichten eines Clowns" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (unbedingt lesen, falls ihr es nicht schon getan habt!), beschreibt damit eine Situation, die vielen Menschen nicht klar ist, sehr genau. Ich spreche von der Kolonialherrschaft.

Während dieser Zeit, haben die Kolonialmächte die unterjochten Völker auf eine ganz schreckliche Art und Weise behandelt. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, lest zum Beispiel "Der Hass auf den Westen" von Jean Ziegler, ihr werdet mehr als schockiert sein. Einige Beispiele wäre zum Beispiel der Genozid in Tasmanien, oder auch wie Frankreich mit seinen Kolonien umgegangen (zum Beispiel war ein gängiges Mittel Leute zu töten, sie in eine Höhle zu stecken und davor ein Feuer anzuzünden damit sie ersticken).
Wie es einstigen Kolonialmächten wie zum Beispiel Großbritannien, den Niederlanden, oder Frankreich ohne ihre "geliebten" Statussymbole geht, wissen wir, meiner Meinung nach alles andere als schlecht. Doch was ist mit den einstigen Kolonien? 

Ein lebendiges Beispiel, mit welchem Missmut die "Großen Mächten" ihren früheren Annexionen gegenüber treten liefert uns wieder der, bei mir und bei vielen anderen, nicht ganz so beliebter Monsieur Sarkozy. Im Juli 2007 besuchte er Dakar, genauer gesagt die Uni Cheikh-Anta-Diop, hielt einen Vortrag, welchen er mit einem grandiosen Satz eröffnete:
"Jeunes d'Afrique, je ne suis pas venu vous parler repentance."
Heißt so viel wie, nö, da ist nichts wofür Frankreich sich schämen müsste, ich will auch gar nicht von Reue spreche. 
Der Vortrag ging ähnlich unangebracht weiter.
(Falls ihr mehr darüber wissen wollt nochmal der Hinweis: Jean Ziegler!)

Die Wunde in diesen noch immer von der Kolonialzeit geprägten Ländern pocht, ist noch lange nicht verheilt. Aber das will in der westlichen Welt niemand wissen. Lieber wundern wir uns, warum wir so schlecht angesehen sind, warum nur immer wieder Entschuldigungen für Sachen verlangt werden die soooo lange her sind, ich meine, wir, die Kröne der Schöpfung, haben das doch alles gut verkraftet, ich meine, der Verlust der Kolonien war gleichzeitig ein Verlust von Macht und Prestige, ganz schlimm.

Ja nee, is klar.

The Handmaid's Tale - Margaret Atwood

Folgendes ist eine Mischung aus Rezension, Diskussion und Beurteilung des Klassikers von Margaret Atwood.

Wieso dieses Buch?
Meine Motivation es zu lesen kam unter anderem dadurch, dass ich es immer interessant finde wenn ein Autor sich vorstellt, was wäre wenn die Dinge in unserer Welt auf einmal anders laufen würde. Margaret Atwoods Buch hat mich nicht enttäuscht, da sie diesen Lauf so plausibel dargestellt hat, dass man ernsthaft anfängt zu überlegen ob das wirklich passieren könnte.
 

Feminismus, Ja - Nein?
Auf die Frage ob das Buch ein feministisches Buch sei, antwortet sie dem Independent:
"You could tell The Handmaid's Tale from a male point of view. People have mistakenly felt that the women are oppressed, but power tends to organise itself in a pyramid. I could pick a male narrator from somewhere in that pyramid. It would interesting." (Quelle: http://jezebel.com/5355646/is-margaret-atwood-a-feminist-are-you)

Gründe warum ich denke, dass es sich doch um eine Art Feminismus handelt

Erstens denke ich, dass es eben diese Sichtweise ist, die Sichtweise einer Frau in diesem System, welches sie entwickelt, die das Buch ausmacht und ihm einen feministischen Touch verleiht. Denn die Anfänge nimmt das System, als den Frauen verboten wurde zu arbeiten und Geld zu besitzen. Denn auch wenn Männer und Frauen zusammen arbeiten müssen um in so einem System zu überstehen, sind es doch die Frauen die ganz klar von Anfang an unterdrückt werden.
Auch die Tatsache, dass Atwood besonderen Wert auf die verschiedenen Unterscheidungen der Frauen, in Wives, Econowives, Marthas und Handmaids, legt, zeigt, dass diese Rollenverteilung ein Basiselement des Systems ist, welches sie kreiert. 
 Stärkstes Argument, meiner Meinung nach, sind die verschiedenen Hinweise innerhalb des Buches, die zeigen wie Feminismus-feindlich das System an sich ist. Frühere Feministinnen, die nach Meinung der Herrschenden "unheilbar" sind, werden in Camps geschickt. Hinzu fügt sich, dass in der Ausbildung der Handmaids Videos ohne Ton gezeigt werde, welche Feministinnen zeigen, die einst für ihre Rechte gekämpft haben, als Art Warnung, wie sie es fortan nicht mehr machen sollen.

Schlussfolgerung
Ich gebe diesem Buch 5 von 5 Sternen in meiner Bewertung, weil es sehr viele Ansätze bietet, anhand welcher sich in viele verschiedene Richtungen diskutieren lässt. Außerdem hat es sehr viel Bezug zu der heutigen Welt, in der Frauen noch immer nicht die Rechte haben, welche sie verdienen, und fungiert als Denkanstoß für all jene, die denken, dass Feminismus heutzutage nicht mehr gebraucht wird, weil Frauen ja schon genug Rechte haben.

Samstag, 5. Februar 2011

Angst.

Jeder hat immer Angst. Einzelne Individuen haben Angst sich gegenseitig zu verlieren, man hat Angst seine Meinung zu sagen, weil man Angst hat andere zu verletzen. 
Auch auf transantionaler Ebene hat man Angst, auch wenn man denkt, dass Staaten, diese immense Black-Boxes, keine Angst haben müssen. Der Neorealismus erklärt es damit, dass Staaten durch Angst der Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit sich verteidigen, was nicht ausschließt, dass man auch mal gerne Präventivkriege führt.
Grade im Moment haben wieder einmal ganz viele Staaten Angst: Israel hat Angst, dass durch den Sturz Mubaraks ihre "Unterstützung" (wenn man es so nennen kann..) in der arabischen Welt verloren geht, Ägypten als das erste arabische Land, welches die Existenz Israles anerkannt hat. 
Diese Angst ist meiner Meinung nach noch eine der legitimsten Ängste die ein Staat zur Zeit haben kann (in Bezug auf die Ereignisse in Ägypten), obwohl Israel ja auch nicht wirklich zurückhaltend ist, was die Außenpolitik angeht.
Doch was ist mit den westlichen Ländern? Wieso hat Frankreich bis zur letzten Sekunde gewartet bis es das ägyptische Volk unterstützt, so wie sie es auch im Fall Tunesien war?
Wieso wird jetzt darüber spekuliert, dass Mubarak auf einmal zu einer Routine-Untersuchung nach Deutschland kommt?


WIESO BEKENNT KEINER FARBE? 

UND: Wieso kümmert es keinen der "Politiker", welche Ängste die Leute in Ägypten haben? DIESE Angst ist berechtigt. Und wenn sie sich wehren weil sie ein demokratisches Land haben möchten, dann sollen sie von allen Seiten Unterstützung kriegen um ihre Ängste wenigstens ein bisschen zu beseitigen, und nicht auf einmal merken, dass einzelne Menschengruppen mehr Mut haben als ganze Staaten.

Freitag, 4. Februar 2011

Eine Frage der Legitimität.

Ist es legitim, als Nicht-Muslimin über den Islam zu schreiben? Ich glaube, das kann ich selber nicht beurteilen aber ja, ich denke es ist nicht nur legitim, sonder erwünschenswert. 

Aus verschiedenen Gründen werde ich aber in Zukunft mein Themengebiet erweitern. Nein, mein Blog wird nicht zu meinem privaten Tagebuch in dem ich jeden Hund aufzählen muss den ich begegne, nur weil ich denke dass wenn ich es ein bisschen ironisch verpacke, jeder total begeistert von dem Eintrag sein wird. Ich werde noch immer Themen behandeln, die ich für nennenswert finde. Schließlich soll ja der Werdegang meiner Interessen dokumentiert werden, und nicht mein ganzes Leben.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Aktuelles

Zwei Nachrichten, die ich gerne kommentieren möchte, eine die das Inland betrifft, und eine die das Ausland betrifft.

Was das Ausland betrifft, wird ja wohl klar sein worum es mir geht: Die Aufstände in den arabischen Ländern, welche ich ganz klar unterstütze. Vor ein paar Monaten hatte ich eine Diskussion mit einem Bekannten, in der es darum ging, dass westliche Länder gerne in andere einmarschieren um eine Demokratie zu etablieren. Ob das nun ihre wahre Motivation ist oder nur Fassade lasse ich jetzt mal außenvor. Meiner Meinung nach ist es nämlich Schwachsinn durch Militär einem anderen Land eine Regierungsform vorzuschreiben und aufzudrängen. Bestes Beispiel: der Irak. Was wurde nun aus dem Demokratisierungsversuch? Nicht wirklich viel meiner Meinung nach, den Leuten geht es nicht wirklich besser. Die Veränderung muss von unten kommen, genauso wie das in Tunesien der Fall war, und wie es hoffentlich in Ägypten auch der Fall sein wird, wobei das schwer abzuschätzen ist. Die Zeit für diese Staaten ist einfach gekommen und das spüren die Bürger und wehren sich, genauso wie das sein soll.
Liebe ägyptische Regierung: es nützt nichts Internet und Telefonnetze zu kappen, die Leute können sich trotzdem noch mobilisieren.


Was nun das Inland angeht, betrifft die Nachricht die mich heute besonders interessiert das Burka-Verbot für Beamtinnen in Hessen. Meine Güte, was soll das? Die CDU ist natürlich ganz vorne mit dabei, bei den Leuten die lauthals dagegen sind, aber, was mich überrascht, die Grünen auch. Klar ist das ein heikles Thema, aber wo kommen wir hin wenn wir sagen dass Nähe und Vertrauen zwischen Bürger und Beamtin verschwindet, weil die Beamtin eine Burka trägt? Tut mir Leid aber das ist nicht fair. Das Schlimmste ist dass die Kollegen und Kolleginnen der Betroffenen beteuern, dass diese Veränderung sicher damit zusammen hängt, dass sie einen streng muslimischen Mann geheiratet hat. Nein, es könnte nicht mal im entferntesten wahr sein,dass sie das aus freien Stücken tut. Mich interessiert, was sagt sie dazu? Keiner weiß es, das Urteil der Kollegen ist natürlich wichtiger. Nonsense.