Im März habe ich mir als Ziel gesetzt mich mal von der englischen Literatur abzuwenden und Bücher aus anderen Kulturkreisen zu lesen. Meine Auswahl fiel also auf folgende 3 Bücher:
-Lipstick Jihad von Azadeh Moaveni (Iran)
- The Writing on my Forehead von Nafisa Haji (Pakistan)
und
-So long a Letter von Mariama Bâ (Senegal)
Über Lipstick Jihad habe ich ja schon einen längeren Artikel geschrieben, deswegen werde ich an dieser Stelle nicht mehr so genau darauf eingehn, sondern mehr auf die anderen beiden Bücher.
The Writing on my Forehead
Dieses Buch berichtet über eine pakistanische Familie, die Streitigkeiten, die Kultur, die trotz Diaspora noch immer eine privilegierte Position im Alltag hat, und die Probleme die dadurch entstehn. Der Zwang zur Heirat steht meiner Meinung nach bei der ganzen Geschichte im Vordergrund. Das Leben junger Frauen richtet sich danach, früh genug zu heiraten, in ihrer Blütezeit so zu sagen, weil sie sonst keine Möglichkeit mehr haben, ihr Leben zu machen. Die Protagonistin setzt sich dem entgegen und will studieren, so wie das die Schwester ihrer Großmutter auch gemacht hat.
Diese Frau steht für Emanzipation, sie handelt gegen die Zwänge ihrer Kultur, ohne sie jedoch aufzugeben. Sie studiert, wird Journalistin, reist jedoch oft nach Pakistan zurück, zu ihrer Familie. Sie unterstützt ihre Schwester, wenn auch nicht von Anfang an, die den Weg der für sie vorgesehen ist verfolgt.
So long a Letter
Auch die Protagonistin in diesem Buch strahlt eine unglaubliche Stärke aus. Ihr Mann heiratet eine zweite Frau und sie ist ganz auf sich allein gestellt mit ihren 12 Kindern. Doch sie lebt ihr Leben weiter, stark wie eh und je und zeigt, dass sie auch alleine den Willen besitzt ihr Leben in die Hand zu nehmen. Sie hat aus purer Liebe geheiratet und auch nach dem Tod ihres Mannes, will sie keinen Mann heiraten, den sie nicht wirklich liebt, was zeigt, dass sie trotz kultureller Zwänge ihre Grundsätze verteidigt.
Vergleich
In allen 3 Bücher ist eine Frau die Erzählerin und Protagonistin. Es handelt sich zum Teil um Fiction (The Writing on my Forehead), zum Teil um eine Mischung aus biographischen Elementen und Fiction (So long a Letter), und zum Teil nur aus biographischen Elementen (Lipstick Jihad). Trotz dieses Unterschiedes entwickelt der Leser ein recht gutes Gefühl für die Vor- und Nachteile jeder dieser Kulturen, kann sich meist in die Lage hinein versetzen oder denkt sich einfach: Eigentlich habe ich es doch ganz gut, so wie ich lebe.
Was mir bei allen Büchern sehr aufgefallen ist, ist die enge Verbundenheit der Frauen mit der eigenen Kultur. Obwohl sie diese an vielen Punkten kritisieren (Die Unterdrückung der Frauen im Iran, der Druck der Familie in Pakistan, oder auch das Problem der Polygamie in Senegal), können sie das sehr gut mit der Liebe zu ihrem Land verbinden. Sie verwerfen keines Falls die komplette Kultur, sondern setzen ihre Kritik gezielt da an, wo sie sich einen Umsturz wünschen.
Was vor allem bei den ersten beiden Büchern auffällt, ist die Verbindung von westlicher Ideologie und traditioneller Kultur. Beide Protagonistinnen leben an sich 2 Leben, das eine, als Journalisten, selbstständig und emanzipiert, das andere, in enger Verbindung an die eigene Kultur. Sie zeigen, dass es möglich ist seinem "Ursprung" treu zu bleiben und sich trotzdem problemlos zu "integrieren", trotz aller Vorurteile.
Bei den Büchern von Moaveni und Haji ist mir außerdem aufgefallen, dass die Ereignisse des 11. September noch immer eine große Rolle spielen. Man bedenke, dass Lipstick Jihad 2004 geschrieben wurde und The Writing on my Forehead 2009, und trotzdem wird in beiden Fällen fast ein ganzes Kapitel den Konsequenzen dieses Tages gewidmet. Interessant auch, dass es um den Hass gegen Muslime geht, der vor allem in und von den USA propagiert wurde. Moaveni beschreibt die Erschrockenheit der Menschen in Iran, hinsichtlich der Tatsache, dass sie zu einem Teil von Bushs "Axis of Evil" gezählt wurden. Haji verbildlicht den Islam-Hass in dem die Schwester der Protagonistin, dadurch, dass sie eine Hijab trägt, vor einem Supermarkt erschossen wird.
Alles in allem war es eine sehr bereichernde Lektüre, die ich bestimmt fortsetzen werde.